„Tritt Matthäus stürmisch ein, wird’s bis Ostern Winter sein.“

Posted on 27. September 2013

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Dieser Spruch klingt erst einmal etwas veraltet und unverständlich, hat aber durchaus seinen wissenschaftlichen Wert. Bauernregeln (sv.: vädermärke), so heißen Sprüche wie unsere Überschrift, sind Wetterregeln. Meteorologen und Meteorologinnen haben viele von ihnen mittlerweile überprüft: Sie haben einen hohen Wahrheitsgehalt, wenn die Ursprungsregion oder die Umstellung auf den gregorianischen Kalender berücksichtigt werden.

Schon im alten Ägypten und in Babylon verließen sich Menschen auf ähnliche Wettersprüche. Im deutschen Sprachraum sind sie schon für die Zeit vor der Christianisierung nachweisbar.

Die Kirche übernahm dann viele der existierenden Wetterreime* und ordnete sie Heiligentagen zu, auf die sie sich heute noch immer beziehen. Der oder die entsprechende Heilige wird dabei sinnbildlich* für das entsprechende Wetter verwendet.

Ein Wetterhahn in der deutschen Stadt Mainz zeigt die Windrichtung an. Wetterhähne sind wie Bauernregeln sehr alte Möglichkeiten der Wettermessung. (c) Weltbrei @ flickr.com

Ein Wetterhahn in der deutschen Stadt Mainz zeigt die Windrichtung an. Wetterhähne sind wie Bauernregeln sehr alte Möglichkeiten der Wettermessung.
(c) Weltbrei @ flickr.com

Hier einige Beispiele für Bauernregeln des Dackels passend zur Jahreszeit:

 

26. September: St.Damian und St. Kosmas

Sankt Kosmas und Sankt Damian fängt das Laub zu färben an.

27. September: St. Hiltrud/Helmtrud

Wenn Hiltrud im Kalender steht, wird noch einmal das Gras gemäht.

28. September: St. Wenzeslaus

Kommt Wenzeslaus mit Regen an, werden wir Nüsse bis Weihnachten ha’n [=haben].

Wer Lust auf mehr solcher Regeln hat, kann auf eine von vielen Sammlungen von verschiedenen Bauernregeln zurückgreifen, zum Beispiel  die 1823 Joseph Arnold Ritter von Lewenau unter dem Titel „Der angewandte Fresenius – oder Sammlung geordneter allgemeiner Witterungs-und sogenannter Bauernregeln“ herausgegebene.

http://books.google.se/books?id=YI01RgDZT0sC&printsec=frontcover&hl=sv#v=onepage&q&f=false

(Achtung Frakturschrift*!)

Bauernregeln werden aber auch zu Bauernwitzen verballhornt*. Dabei wird die Form der kurzen Reime übernommen, um Kurz-Witze zu produzieren, die Bauern, Tiere oder das Landleben auf irgendeine Weise aufs Korn nehmen*. Oft sind diese Witze Wortspiele oder sehr umgangssprachlich und die Protagonisten kommen dabei nicht besonders gut weg*. Hier die Lieblingswitze des Dackels:

Wetterhähne finden sich an allen Orten, sogar auf diesem Auto aus der ehemaligen DDR, dem Trabant, in Falkenstein, Sachsen. (c) *m22 @flickr.com

Wetterhähne finden sich an allen Orten, sogar auf diesem Auto aus der ehemaligen DDR, dem Trabant, in Falkenstein, Sachsen.
(c) *m22 @flickr.com

Hat der Bauer Bock auf Schinken, fängt der Eber an zu hinken

Wenn die Kuh am Himmel schwirrt, hat sich die Natur geirrt

Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd, in Bayern ist das umgekehrt.

Wächst der Magd ein dicker Bart, wird der Winter lang und hart.

Stirbt der Bauer im Oktober, braucht er im Winter kein‘ Pullover!

Links:

http://www.br.de/themen/wissen/meteorologie-wetter-geschichte-bauernregeln-100.html

Geschichte der Meteorologie

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bauernregeln

Bauernregelkalender

http://fun.wikia.com/wiki/Bauernregeln

Witze

Wetterreim, der – väder rim | sinnbildlich – symboliskt |Frakturschrift – frakturstil | etwas verballhornen – förvanska ngt., vanställa ngt. | aufs Korn nehmen – rikta kritik mot | nicht besonders gut weg kommen – komma undan inte så särskilt bra
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Posted in: Alltag, Kultur